
Über die tröstende Kraft der Musik
Bei einem weltweiten „Parkinsong“-Contest wurde der Sieger gekürt. Hinter dem Projekt steckt der selbst von der Krankheit betroffene Gerald Ganglbauer.
Kleine Zeitung Kaernten
Von Bernd Melichar 09 Jan. 2026


„Parkinsong“. Die Wortschöpfung ist originell, die Krankheit dahinter heimtückisch. Das Wort setzt sich aus „Parkinson“ und „Song“ zusammen, dahinter steckt ein von Gerald Ganglbauer gegründetes Musiklabel. Der Grazer Autor und Verleger erhielt bereits 2006, damals erst 48 Jahre alt, die Diagnose, an Parkinson im Frühstadium erkrankt zu sein. Eine tiefe Zäsur in seinem Leben, aber kein Grund, untätig zu sein. Ganz im Gegenteil: Neben zahlreichen anderen Aktivitäten und Engagements in Selbsthilfegruppen gründete Ganglbauer das Label „Parkinsong“ und produzierte 2019 eine erste CD, auf der Rockmusiker mit von der Krankheit Betroffenen Duette sangen.
Im Jahr 2021 erschien eine zweite CD, die eine Aufnahme des „Parkinson Blues“ des Drahdiwaberl-Sängers Stefan Weber beinhaltete. Inzwischen hat die Krankheit Ganglbauer aber so fest im Griff, dass er einen Endpunkt seiner „Parkinson-Karriere“, wie er es selbst ausdrückt, kommen sieht. „Aber bevor es soweit ist, wollte ich noch etwas Neues auf die Beine stellen.“ Und das ist ihm gelungen.
Und wieder ist es eine Wortschöpfung, die hinter dem Projekt steckt: „ParkinSonglines“. Diesmal ist die Krankheit kombiniert mit Bruce Chatwins Buch „ Songlines“ (dt.: Traumpfade). Die Idee dahinter laut Ganglbauer: „Damit wollte ich die Schmerzlinien, die sich über alle Kontinente erstrecken, symbolisieren.“ In der Folge begab sich Ganglbauer weltweit auf die Suche nach Songs, die in Zusammenhang mit der Parkinson-Erkrankung stehen. Er sammelte Musik aus den USA, Australien, Europa. „Ich war überrascht und berührt, von welch hoher Qualität die Beiträge sind“. Die CD „Parkinsonglines“ wird Ende Jänner erscheinen.
Auf der Grundlage der Song Auswahl von Gerald Ganglbauer organisierte die „World Parkinson Disease Coalition“ Ende 2025 den Parkinsong-Wettbewerb. Die Regeln waren einfach: Die Stimmen wurden über Likes auf die YouTube-Videos der eingereichten Songs vergeben. 18 Songs schafften es auf die Shortlist – und diese Woche stand der Sieger fest. Die Wahl fiel mit großem Abstand auf den in Deutschland lebenden amerikanischen Singer/ Songwriter Rob Georg und den Song „Climb This Mountain“.
Der Musiker
ist selbst nicht erkrankt, hat aber seine Karriere unterbrochen, um seinen an Parkinson leidenden Vater zu pflegen. Für Rob Georg bedeutet der Sieg mehr als nur Anerkennung. Er ist auch eine Möglichkeit, das Vermächtnis seines Vaters weiterzutragen. Der Song sei eine Botschaft der Liebe und des Erinnerns, ein Zeugnis der unzerbrechlichen Bindung zwischen Vater und Sohn. Auch Gerald Ganglbauer ist mit der Wahl zufrieden, für ihn geht es beim Parkinsong-Wettbewerb aber nicht nur um Musik, „sondern darum, die Geschichten von Menschen zu würdigen, die mit Parkinson leben.“ Seinen Sieger-Song wird Rob Georg im Mai dieses Jahres beim World Parkinson Congress in Phoenix, Arizona, live präsentieren.
„Musik hat
erwiesenermaßen eine positive Auswirkung auf das Nervensystem“, so Gerald Ganglbauer, der das Leben mit Parkinson auch in seinem Buch „Kopfbahnhof“ geschildert hat. In dieser Zeitung wurde Ganglbauer einmal so beschrieben: „Dieser Mann hat viele Begabungen, das Nichtstun gehört nicht dazu.“ Trotz Rückzugsgedanken und Einschränkungen wird sich daran wohl nichts ändern in der nahen Zukunft. Es gibt schließlich noch viele Berge zu erklimmen.
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